Von Beate Bruns – Was steckt wirklich hinter dem Schlagwort Green Learning? Im Blogartikel erfahren Sie mehr darüber, was es bedeutet, wenn Corporate Learning und Weiterbildung sich auf den Weg zu mehr Klimaneutralität machen. Eine nachhaltige Entwicklung steht global auf der Agenda und die Weichen sind national und international trotz aller Dispute gestellt. Doch in vielen Unternehmen – gerade im Mittelstand – wird die Notwendigkeit einer nachhaltigeren Ausrichtung oft noch unterschätzt. Viele Unternehmen in Deutschland berichten schon heute ausführlich und mit aussagekräftigen Kennzahlen über die Nachhaltigkeit ihres Wirtschaftens. Der Nachhaltigkeitsbericht wird dabei in seiner Relevanz dem Finanzbericht gleichgestellt. Was bedeutet dies für HR und das Corporate Learning und wie können Sie sich darauf vorbereiten? Welche strategische Relevanz erhält die Transformation zu einer nachhaltigen Entwicklung und welche Rolle spielen Digitalisierung, Unternehmenskultur und Lernen dabei?
Green IT spielt eine immer größere Rolle
Wir haben es im Kontext der Transformation zu einem nachhaltigen Wirtschaften und insbesondere mit Blick auf das globale Ziel Klimaneutralität mit einem tiefgreifenden Mind-Change zu tun. Denn was bedeutet nachhaltige Entwicklung? Im Sinne der Enkelgerechtigkeit ruhen die Hoffnungen auf sechs Strategien:
- Effizienz
- Wandel des (westlichen) Lebens- und Arbeitsstils
- Anpassung
- Reduktion
- Kreislaufwirtschaft und
- Innovation
Die Digitalisierung der Lebens- und Arbeitsprozesse ist dabei Teil der Innovationsstrategie für Prozesse und Produkte. Ein klimaneutrales Corporate Learning etabliert so viele digitale Lernformate und damit so viel Plattform- und Prozessdigitalisierung wie möglich. Präsenzlernen wird wieder lokal und regional organisiert, nicht-lokal verfügbares Wissen über digitale und hybride Formate einbezogen.

Damit diese Strategien und ihre Umsetzung jedoch tatsächlich auf Klimaneutralität einzahlen, muss man sich genauer mit den geforderten Parametern für das Nachhaltigkeitsreporting auseinandersetzen.
Nehmen wir als Beispiel die Digitalisierung: Sie benötigt viel Energie und knappe Rohstoffe – „Green IT“ spielt deshalb zunehmend eine wichtige Rolle. Rechenzentren (Trend: Cloud-Lösungen) stellen zunehmend auf Ökostrom und insgesamt nachhaltigere Lösungen um. Künstliche Intelligenz (KI) birgt hohes strategisches und transformatives Potenzial – viele KI-Systeme haben jedoch auch einen sehr hohen Stromverbrauch. Eine grüne Stromversorgung und effizientere Algorithmen sind also unerlässlich.
Welche Veränderungen sind nötig für die Entwicklung zum nachhaltigen Wirtschaften?
Eine Transformation repräsentiert einen fundamentalen und dauerhaften Wandel, wie zum Beispiel die Industrielle Revolution oder auch die digitale Transformation. In der Corona-Pandemie haben wir viele tiefgreifende Veränderungen erlebt. Einige wie zum Beispiel die vermehrte Nutzung des Home-Office und der Ersatz von Geschäftsreisen durch Videokonferenzen sind Teil des Arbeitsalltags geworden. Die Treiber für Transformationen sind vielfältiger Natur, neben den Krisen sind es oft auch Gesetze, neue Technologien oder globale Ressourcenknappheit bzw. Neuentdeckung von Ressourcen, die radikale Veränderungen anstoßen.
Und wie sieht es in Unternehmen aus? Wenn die neue Strategie zu mehr nachhaltigem Wirtschaften nicht zur Unternehmenskultur passt, dann hat sie verloren. Wenn wir also etwas fundamental verändern wollen, betrifft das auch die Kultur. Doch eine Kultur zu verändern ist in der Regel mühsam und langwierig. Dies gilt umso mehr, je stärker die Veränderung die Kultur in ihrem konstituierenden Kern betrifft. Wenn eine Veränderung Kernelemente der vorhandenen Kultur nicht antastet, kann es schneller gehen.
Welche Hebel hat Corporate Learning auf dem Weg zur Klimaneutralität?
Blicken wir auf HR und speziell den Bereich der Aus- und Weiterbildung bzw. des Talentmanagement. Wie gelingt hier mehr Klimaneutralität? Neben konkreten Maßnahmen wie z.B. Green IT, Präsenzevents im Freien, Einsatz von langlebigen Materialien, Zero Plastik sowie regionalen Lebensmitteln gibt es noch weitere Stellschrauben: Mit Blick auf die Nachhaltigkeit und das Reporting ist das Messen der Aktivitäten im Corporate Learning enorm wichtig. Folgende Fragen sind dabei hilfreich:
- Wie wirken unsere Aktivitäten in Bezug auf den Verbrauch von Ressourcen?
- Was sind die Haupttreiber?
- Wo lohnt sich tatsächlich eine Änderung?
- Wo ist der Impact besonders groß (und der Aufwand dafür möglichst gering)?
- Wo ist eine Änderung sinnvoll?
In Bezug auf Energieverbrauch und CO2-Emissionen sind es generell die Mobilität, die Strom- und Wärmeerzeugung und die IT-Infrastruktur, die Anlass zum Nachdenken geben sollten, gerade wenn es um das Lernen in Präsenz geht.
Der CO2-Veranstaltungsrechner des Umweltbundesamtes rechnet es vor: Neben dem Strom & Wärmeverbrauch zeigt der Rechner eindeutig, wie hoch die CO2-Belastung durch Kurzstreckenflüge, Autofahrten und Hotelübernachtungen tatsächlich ist. Ein eintägiges Präsenzseminar mit 14 Teilnehmer:innen verbraucht durchschnittlich 2 Tonnen CO2-Emissionen – das sind 25% der Emissionen eines Bundesbürgers pro Jahr. Hier stellt sich die Frage, ob dies in der Breite tatsächlich sinnvoll und nötig ist.
Corporate Learning geht klimaneutral
Fakt ist: Die Transformation hat bereits begonnen, und es hängt von uns ab, wie wir sie gestalten. Unabhängig davon, was uns jeweils antreibt, ob es Interessen, Ziele, Wertvorstellungen oder gesetzliche Vorgaben sind: Im Handeln und im Verhalten können wir zusammenwirken. Mit dem Futur2-Instrument von Harald Welzer gesprochen, könnte die Schlüsselfrage für eine Zukunftswerkstatt für Corporate Learning lauten: Was erzählen Ihre heutigen Auszubildenden, Ihre jungen Teilnehmer:innen in zwanzig Jahren über Sie und Ihre Lernorganisation? Wie wollen Sie selbst in den kommenden 5-10 Jahren lernen und arbeiten? Und was können Sie ab morgen verändern?
Mehr dazu finden Sie in unserem Whitepaper „Wie Weiterbildung klimafreundlicher wird“, das wir Ihnen gerne schicken.